Dienstag, 3. Mai 2011

Ein glatter Freispruch?

Nun sind die Tierschützer von der lieben Richterin Mag. Sonja Arleth also in allen Anklagepunkten frei gesprochen worden.

Frau Prof. Velten fordert im heutigen "Standard" sogar - und das in Zeiten wie diesen - eine Abschaffung des Mafia-Paragraphen 278a. Solche "Rechtsgelehrten" haben uns gerade noch gefehlt.

Eines möchte ich vorab klären:

Natürlich finde ich es auch sehr ungerecht, wie die angeklagten Tierschützer behandelt worden sind. Ich habe oft genug darüber gebloggt und auch eine Facebook-Gruppe "Tierschützer sind keine Terroristen" gegründet.

Allerdings ist meine persönliche Meinung, dass die Richterin mit diesen Freisprüchen ein bisschen über das Ziel hinaus geschossen hat.
Wahrscheinlich will sie sich Arbeit ersparen.

Wenn sie einige Verurteilungen wegen Sachbeschädigungen und Brandstiftung ausgesprochen hätte, dann wäre nach der Berufung auch wieder viel Arbeit auf sie zu gekommen. Mit dem Freispruch überläßt sie die Arbeit dem Staatsanwalt Wolfgang Handler. Der Staatsanwalt könnte ja jetzt die Nichtigkeitsbeschwerde gegen das freisprechende Urteil zum Nachteil der Angeklagten einbringen.

Ich persönlich bin für Tierschutz. Ich war 14 Jahre strengste Vegetarierin und bin seit 1981 ein großer Fan von Francesco di Assisi, dem großen Heiligen aus dem 12. Jahrhundert, der sogar mit den Tieren gesprochen hat. Eine größere Liebe gegenüber den Tieren kann es wohl kaum geben.

ABER: Die österreichischen TierschützerInnen verfolgen ihre großartigen Ziele meiner Meinung nach nicht immer mit den richtigen Mitteln. Da muss ich gleich an Barry Horne (1952 bis 2001) denken. Er war ein britischer Tierrrechtsaktivist und ist an den Folgen seiner zahlreichen Hungerstreiks gestorben.

Wenn man in der U-Haft, die ja für die Gesundheit ohnehin schon sehr belastend ist, dann auch noch in den Hungerstreik tritt, ist das Selbstschädigung.

Hilft das den Tieren? Beindruckt das die Jäger, die Richter, die Staatsanwälte, wenn man sich selbst gesundheitlich ruiniert? Oder ist es nicht vielmehr ein Ausdruck einer psychischen Krankheit? Siegmund Freud hätte das wahrscheinlich als Ausleben des Todestriebs diagnostiziert.

Ja, ich persönlich bin für Tierschutz, auch für Umweltschutz. Aber es stellt sich immer die große Frage, WIE ich meine ZIELE erreiche?

Dieser Freispruch in allen Anklagepunkten in Wiener Neustadt wird weiterhin nichts Gutes für die österreichische Justiz bringen. Vielleicht wird sich die Polizei (Bundeskriminalamt) jetzt heraushalten (oder sich gemeinsam mit der Stapo und dem Verfassungsschutz herauswinden) und die Firma Kleider Bauer wird Privatanklage stellen.
Das wäre ja von Anfang an richtig gewesen.

Der Mafia-Paragraph 278a des Strafgesetzbuches ist grundsätzlich nicht dafür geschaffen worden, NGO´s (Non-Government-Organisations) zu diskreditieren und Aktivisten ins Gefängnis zu werfen.

Der Mafia-Paragraph ist aber sehr sinnvoll, wenn wir gegen Ausbildungslager von Terroristen vorgehen wollen, die es auch in Europa gibt.
Daher darf der Mafia-Paragraph NICHT abgeschafft werden. Zum Glück ist Frau Professor Velten nur eine unwichtige Professorin an einer noch unwichtigeren Universität (Linz).
Den Mafia-Paragraphen abzuschaffen, das wäre gemeingefährlich.

Ich bin schon sehr gespannt, wie die Causa "Tierschützer" jetzt in Österreich weitergeht.
Es wird vor allem ein Kampf "Jeder gegen jeden" werden.
Die Bauern, die Jäger, die Inhaber von Tierfarmen, die Hendlzüchter usw. - alle werden sie jetzt ziemlich verzweifelt sein und dann zum Gegenschlag ausholen.
Eine Hendl-Züchterin aus dem Burgenland hat im Kurier einmal gesagt: "Wir können überhaupt nichts machen. Wir können uns nicht wehren."

Der Tupfen auf dem I ist aber folgende Erinnerung von mir:

Vor vielen Jahren war ich bei mehreren Veranstaltungen der "Grünen" in der Steiermark und auch bei grünen Abgeordneten privat auf Besuch. Ich war damals strikte Vegetarierin. Bei diesen "grünen" Feiern ist so viel Alkohol geflossen und es sind so viele Tiere verzehrt worden, sodass ich in weiterer Folge von der grünen Partei in Österreich so enttäuscht war, dass ich sie nicht mehr wählte.

WASSER PREDIGEN - WEIN TRINKEN

Ich denke, dass sich die Tierschützer dermaßen von den Grünen instrumentalisieren ließen, sodass das, was jetzt läuft, WEDER dem Tierschutz noch dem wichtigen Anliegen des UMWELTSCHUTZ dient. Schade, schade.

Die meisten wollen eben AUFMERKSAMKEIT - und das mit allen Mitteln. Da geht es ja gar nicht mehr um den Tierschutz, sondern um politische Grabenkämpfe.

Ich persönlich bin weder links noch rechts. Ich versuche, Lebensmittel zu kaufen, die nicht auf der Basis von großem Tierleid hergestellt sind. Und das ist manchmal nicht ganz einfach.

Man/frau wird ja von allen Seiten belogen und betrogen.